Newsletter Februar 2026
Beschleunigung braucht Struktur: Wie neue Instrumente in Ländern und Kommunen wirken – was Berlin plant und warum Technologieoffenheit für große Portfolios entscheidend bleibt. Mit Interviews mit dem Berliner Senator Christian Gaebler und Periskop-Co-Gründer Dr. Simon Kempf.

Ausgabe vom
24. Feb. 2026
Die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau verändern sich derzeit spürbar. Auf Bundesebene wurden mit dem Bauturbo neue Instrumente geschaffen, in den Ländern wird an Vereinfachungen gearbeitet, und vielerorts stehen gesetzliche Anpassungen an. Damit wächst die Erwartung, dass aus politischen Beschlüssen nun auch eine verlässlichere Praxis entsteht.
Im Gespräch mit dem Berliner Senator Christian Gaebler wird deutlich, wie diese Umsetzung konkret aussehen kann. Berlin hat früh Leitlinien zur Anwendung der neuen Instrumente veröffentlicht und bringt weitere Verfahrensvereinfachungen auf den Weg. Zugleich zeigt sich, dass Beschleunigung immer auch Organisationsfrage bleibt. Es geht um klare Zuständigkeiten, nachvollziehbare Auslegung von Regelwerken und um die Bereitschaft, bestehende Spielräume tatsächlich zu nutzen. Diese Fragen stellen sich bundesweit.
Welche Bedeutung planungsrechtliche Offenheit für die Praxis hat, verdeutlicht das Interview mit Dr. Simon Kempf von Periskop Partners. Wer Grundstücke für mehrere zehntausend Wohnungen entwickelt, muss Bauweisen strategisch prüfen. Holz- und Holzhybridlösungen spielen dort eine Rolle, wo Tragreserven, Nachhaltigkeitsanforderungen und Wirtschaftlichkeit zusammenkommen. Entscheidend ist, dass Planungs- und Zulassungslogiken Optionen ermöglichen und Investitionsentscheidungen planbar bleiben.
Politische Instrumente, unternehmerische Verantwortung und fachliche Qualität greifen nur dann ineinander, wenn der frühzeitige Austausch zwischen den Beteiligten funktioniert. Genau hier setzt die Arbeit der KOALITION für HOLZBAU an.
Und zu guter Letzt möchte ich noch auf die bevorstehende exklusive Wien-Reise der KOALITION für HOLZBAU aufmerksam machen. Wir werden Mitte März für mehrere Tage nach Wien reisen und zahlreiche Gespräche mit Politikerinnen und Politikern führen sowie innovative Bauvorhaben in der österreichischen Hauptstadt besichtigen. Weitere Informationen und den Anmeldelink finden Sie unten.
Ich wünsche Ihnen eine informative Lektüre.
Ihre
Sun Jensch
Interview mit Senator Gaebler

Herr Senator Gaebler, Berlin wächst weiter, die 4-Millionen-Marke rückt näher. Gleichzeitig bleiben Baukosten hoch, Kapazitäten knapp, Genehmigungen dauern. Was heißt das für Ihre Baupolitik?
Berlin wächst, aber die Dynamik hat sich verändert. Die Kurve steigt weiter, sie flacht sich jedoch etwas ab. Das Wachstum verteilt sich gleichmäßiger. Das gibt uns die Möglichkeit, den Wohnungsbau verlässlicher zu organisieren, statt auf kurzfristige Ausschläge reagieren zu müssen.
Wir halten an unserem Ziel fest: 80.000 Wohnungen in dieser Legislaturperiode, das bedeutet ein neues Zuhause für mehr als 160.000 Berlinerinnen und Berliner. Derzeit liegen wir bei etwa 16.000 pro Jahr. Im Stadtentwicklungsplan Wohnen sind 222.000 Wohnungen bis 2040 vorgesehen. Das ist ambitioniert, aber erreichbar, wenn wir kontinuierlich bauen und nicht nur in einzelnen Spitzen. Gleichzeitig bleibt ein Nachholbedarf bestehen, den wir weiter abbauen müssen. Entscheidend ist deshalb, dass wir dauerhaft in einen stabilen Bautakt kommen.
Berlin hat als erstes Bundesland einen eigenen Leitfaden zur Anwendung des Bauturbos veröffentlicht und damit früh signalisiert, dass die neuen bundesrechtlichen Spielräume genutzt werden sollen. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz nach den ersten Monaten aus – kommt das Instrument in den Bezirken tatsächlich an?
Mein Eindruck ist, dass der Bauturbo in den Bezirken grundsätzlich auf Interesse stößt, und zwar nicht nur politisch, sondern ganz praktisch. Wir haben im Vorfeld intensiv mit den Bezirken gesprochen, weil klar war, dass ein solches Instrument nur funktioniert, wenn es im Vollzug akzeptiert wird. Und man darf nicht vergessen: Für die Bezirke bedeutet der Bauturbo auch eine Entlastung, weil sie nicht in jedem Fall ein aufwendiges Bebauungsplanverfahren über mehrere Jahre durchführen müssen, sondern auf ein vereinfachtes Verfahren zurückgreifen können.
Mit diesem Leitfaden wollten wir eine belastbare und praxisnahe Grundlage schaffen. Jetzt sammeln wir erste Erfahrungen in der Anwendung. Dabei zeigt sich, dass es an einzelnen Stellen Klärungsbedarf gibt – etwa, wo Formulierungen missverständlich sind oder in der Praxis Fragen aufwerfen. Das ist aber kein Zeichen von Scheitern, sondern Teil eines Lernprozesses. Entscheidend ist, dass die Bezirke das Instrument prüfen und in konkreten Projekten anwenden. Insofern würde ich sagen: Der Testlauf läuft, und wir justieren nach, wo es nötig ist.
Braucht es dann überhaupt noch das Bebauungsplanverfahren?
Ich halte es für zu weit gedacht, den Bebauungsplan grundsätzlich ersetzen zu wollen. Eine gewisse Planungskultur braucht es weiterhin. Wir reden ja nicht über Formalitäten, sondern über städtebauliche Abwägungen, Beteiligung, Transparenz und rechtliche Absicherung. Das kann man nicht einfach beiseiteschieben.
Aber man muss sich im Einzelfall schon ehrlich fragen: Brauche ich wirklich ein langwieriges Bebauungsplanverfahren, wenn ich die wesentlichen Fragen auch im vereinfachten Verfahren klären kann? Es geht am Ende darum, welche Themen tatsächlich regelungsbedürftig sind, welche Beteiligungsformate erforderlich sind und ob sich der Aufwand eines B-Plans rechtfertigt. Der Bauturbo eröffnet hier Spielräume, ersetzt aber nicht die planerische Verantwortung.
Das heißt, es geht weniger um ein Entweder-oder, sondern um eine neue Abwägungskultur?
Wir müssen in der Tat differenzieren. Bei größeren Entwicklungsgebieten oder komplexen Vorhaben wird man weiterhin Bebauungspläne brauchen. In anderen Fällen kann ein vereinfachtes Verfahren sachgerecht und schneller sein. Entscheidend ist, dass wir die Instrumente klug einsetzen und nicht aus Gewohnheit zum aufwendigsten Verfahren greifen.
Sie führen seit Jahresbeginn den Vorsitz der Bauministerkonferenz. Der Bauturbo ist ein Bundesinstrument, das nun in den Ländern unterschiedlich angewendet wird. Ist es nicht gerade Aufgabe der Bauministerkonferenz, hier stärker für gemeinsame Standards und eine einheitlichere Praxis zu sorgen?
Die Bauministerkonferenz hat sich von Anfang an intensiv mit dem Bauturbo beschäftigt und wird das auch weiter tun. Wir werden im Rahmen unserer Sitzungen – auch bei der Sonderkonferenz im Juni – darüber sprechen, wie die Anwendung in den Ländern läuft und wo es gegebenenfalls Anpassungsbedarf gibt. Der Bauturbo ist ja befristet angelegt. Deshalb stellt sich ohnehin die Frage, welche Elemente sich bewähren und vielleicht dauerhaft ins Baugesetzbuch übernommen werden können.
Wir müssen uns anschauen, welche Beschleunigungsinstrumente funktionieren und welche Vereinfachungen auch jenseits einer befristeten Regelung sinnvoll sind. Gleichzeitig ist klar: Die Länder haben unterschiedliche Ausgangslagen und unterschiedliche Bauordnungen.
Im Zusammenhang mit Beschleunigung wird immer wieder die Forderung nach einer stärkeren Vereinheitlichung der Bauordnungen laut – bis hin zur Idee einer faktischen Bundesbauordnung. Würde das aus Ihrer Sicht tatsächlich Tempo bringen?
Ich bin da skeptisch. Eine vollständige Vereinheitlichung klingt auf den ersten Blick verlockend, weil sie Komplexität reduzieren würde. In der Praxis haben die Länder aber sehr unterschiedliche Regelungsstände und politische Prioritäten. Nehmen Sie allein das Thema Barrierefreiheit. Berlin liegt hier seit Jahren vergleichsweise weit vorn, andere Länder haben andere Quoten oder Schwerpunktsetzungen. Eine bundesweit einheitliche Regelung würde zwangsläufig bedeuten, dass sich einige Länder verschlechtern oder andere deutlich anheben müssten. Das ist politisch nicht trivial.
Was wir brauchen, sind gemeinsame Standards bei den grundlegenden Fragen, etwa bei Anerkennung von Typen oder bestimmten technischen Nachweisen. Gleichzeitig muss Raum für länderspezifische Lösungen bei Detailfragen bleiben. Es geht also weniger um eine zentrale Bauordnung, sondern um bessere Abstimmung und gegenseitige Anerkennung. Gerade bei der Beschleunigung und Ausgestaltung praktikabler Verfahren können Länder voneinander lernen und bewährte Ansätze übernehmen.
Ein Kernproblem für serielle und modulare Bauweisen ist, dass viele Zulassungen weiterhin projektbezogen erfolgen. Wenn jedes Vorhaben als Einzelfall behandelt wird, verliert das serielle Bauen seinen eigentlichen Vorteil. Wie kommen wir aus dieser Logik heraus?
Das ist in der Tat ein entscheidender Punkt. Serielles Bauen lebt von Wiederholung, von standardisierten Lösungen, die sich übertragen lassen. Wenn ich aber für jedes Projekt erneut umfangreiche Einzelzulassungen beantragen muss, dann entsteht genau der Aufwand, den ich eigentlich vermeiden wollte.
Wir sehen, dass die Bearbeitungszeiten bei bestimmten Verfahren sehr lang sind, während gleichzeitig die Zahl der Anträge steigt. Das betrifft insbesondere innovative oder modulare Bauweisen. Die Verfahren sind anspruchsvoll, das ist unbestritten. Aber wenn Beschleunigung politisch gewollt ist, müssen auch die Strukturen entsprechend aufgestellt sein.
Heißt das, Sie wollen das Thema auf die Agenda der Bauministerkonferenz setzen?
Ja, ich halte das für sinnvoll. Das DIBt arbeitet im Auftrag der Länder, und wir müssen uns gemeinsam anschauen, wie wir Standardlösungen schneller anerkennen können, ohne die bautechnische Sicherheit infrage zu stellen. Es geht nicht darum, Prüfungen abzuschaffen, sondern sie so zu organisieren, dass bewährte Systeme nicht immer wieder wie ein völliger Neubeginn behandelt werden. Wenn wir serielle Verfahren wollen, müssen wir auch serielle Zulassungslogiken ermöglichen.
Ein Bereich, in dem Beschleunigung regelmäßig an Grenzen stößt, ist der Brandschutz. Gerade bei Aufstockungen oder Nachverdichtungen im Bestand entstehen Konflikte – etwa beim zweiten Rettungsweg oder bei Zufahrten. Wo sehen Sie hier die eigentlichen Zielkonflikte?
Brandschutz ist selbstverständlich nicht verhandelbar, es geht um die Sicherheit der Menschen. Aber wir erleben in der Praxis durchaus Situationen, in denen Anforderungen sehr weit ausgelegt werden und dadurch Projekte erheblich erschwert werden. Das betrifft insbesondere gewachsene innerstädtische Strukturen.
Man darf nicht vergessen: Viele unserer Altbauquartiere sind unter ganz anderen technischen Voraussetzungen entstanden. Die Gebäude stehen seit Jahrzehnten, teilweise seit über hundert Jahren. Wenn sich heute Einsatzfahrzeuge verändern und größer werden, kann das nicht automatisch bedeuten, dass sich jede bestehende städtebauliche Situation vollständig anpassen muss. Sonst geraten wir in eine Situation, in der faktisch kaum noch Aufstockungen oder Nachverdichtungen möglich sind.
Es geht also um eine vernünftige Abwägung. Sicherheit bleibt oberstes Ziel. Aber wir müssen prüfen, wie wir sie gewährleisten, ohne Entwicklungen im Bestand systematisch zu blockieren.
Man könnte die Argumentation auch umdrehen und fragen, ob sich nicht neben den Gebäuden auch die Einsatzkonzepte weiterentwickeln können. In anderen Ländern werden beispielsweise innovative Löschmethoden oder Drohnentechnologien erprobt. Wäre es nicht zumindest denkbar, solche Ansätze in Pilotprojekten mitzudenken?
Technologische Entwicklungen sollte man grundsätzlich nicht ausblenden. Wenn neue Einsatzmittel dazu beitragen können, Sicherheit auf andere Weise zu gewährleisten, dann sollte man sich das selbstverständlich anschauen. Allerdings kein einfaches Vorhaben, weil wir hier in einem hochsensiblen Bereich unterwegs sind und die Verantwortung groß ist. Aber ich halte es für richtig, solche Fragen offen zu diskutieren, statt automatisch nur zusätzliche bauliche Anforderungen zu formulieren. Am Ende geht es darum, praktikable Lösungen zu finden, die Sicherheit und Stadtentwicklung miteinander vereinbaren.
Neben dem Bauturbo bringen Sie in Berlin das Einfach-Bauen-Gesetz auf den Weg. Sie haben einmal von einem „Best-of des Möglichen“ gesprochen – auch mit Blick auf den engen Zeitplan vor der Wahl. Was ist der Kern dieses Gesetzes?
Der Kern ist, Verfahren zu vereinfachen und zu beschleunigen, ohne dabei grundlegende Standards infrage zu stellen. Wir haben uns bewusst darauf konzentriert, die Punkte aufzunehmen, die realistisch umsetzbar sind und im parlamentarischen Prozess auch tragfähig sind. Wenn man ein solches Gesetz zu stark überlädt, riskiert man, dass es am Ende scheitert oder sich endlos verzögert.
Deshalb haben wir ein Paket geschnürt, das konkrete Verfahrensvereinfachungen enthält – etwa bei Fristen oder bei bestimmten Prüfabläufen – und das zugleich noch vor der Sommerpause durch Senat und Parlament gebracht werden kann. Der Zeitfaktor spielt natürlich eine Rolle. Wir wollen nicht, dass es im Wahlkampf stecken bleibt.
Sie haben angedeutet, dass der Wohnungsbau längst nicht mehr nur eine nationale oder landespolitische Frage ist, sondern zunehmend von europäischen Vorgaben geprägt wird. Welche Rolle sollte die Bauministerkonferenz in diesem Spannungsfeld spielen?
Wir erleben tatsächlich, dass europäische Regelungen immer stärker in den Wohnungsbau hineinwirken – sei es im Beihilferecht, im Natur- und Artenschutz oder bei energetischen Anforderungen. Zu Beginn gab es in einigen Ländern eine gewisse Skepsis gegenüber einer stärkeren europäischen Zuständigkeit im Bereich Wohnen. Die Sorge war, dass zusätzliche Ebenen vor allem neue Regulierung mit sich bringen.
Inzwischen hat sich die Perspektive verändert. Wenn die Europäische Union sich mit Wohnungsbau beschäftigt, dann sollten wir das nicht nur kritisch begleiten, sondern aktiv mitgestalten. Denn die Entscheidungen, die dort getroffen werden, haben ganz konkrete Auswirkungen auf unsere Städte und auf die kommunalen Wohnungsunternehmen.
Das heißt, es geht nicht um Abwehr, sondern um Einflussnahme.
Wir wollen wissen, was auf europäischer Ebene geplant ist, und zugleich deutlich machen, wo Regelungen hilfreich sind und wo sie unbeabsichtigt neue Hürden schaffen. Wenn etwa beihilferechtliche Vorgaben Investitionen erschweren oder naturschutzrechtliche Anforderungen in der Praxis kaum handhabbar sind, dann müssen wir das klar benennen. Umgekehrt gibt es auch Bereiche, in denen europäische Initiativen Impulse geben können.
Deshalb werden wir in der Bauministerkonferenz den Austausch mit europäischen Akteuren intensivieren. Ziel ist es, Wohnungsbau als zentrale soziale und wirtschaftliche Aufgabe sichtbar zu machen – nicht nur als Klimathema oder Binnenmarktfrage. Denn am Ende brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen, die den Städten ermöglichen, tatsächlich zu bauen.
Im Gespräch mit Dr. Simon Kempf, Periskop Partners

Dr. Simon Kempf, Periskop Partners
Wer 30.000 Wohnungen entwickeln kann, muss technologieoffen denken
Ein Gespräch mit Dr. Simon Kempf, Mitgründer der Periskop Partners AG und Managing Partner der Periskop Development GmbH über Landentwicklung, Tragwerksreserven und die strategische Rolle des Holzbaus in großen Portfolios.
Sie verantworten bei Periskop Development Grundstücke, aus denen perspektivisch über 30.000 Wohnungen entstehen könnten. In dieser Größenordnung wird die Frage der Bauweise schnell zu einer strategischen Entscheidung. Wie nähern Sie sich diesem Thema?
Wenn man in solchen Dimensionen denkt, ist eine offene und zugleich strukturierte Herangehensweise unerlässlich. Wir entwickeln Grundstücke für institutionelle Investoren, häufig mit langfristiger Perspektive, und betrachten Bauweisen daher nicht ideologisch, sondern entlang klarer Kriterien wie Wirtschaftlichkeit, Genehmigungsfähigkeit, Bauzeit, Nachhaltigkeit und langfristiger Werthaltigkeit. Technologieoffenheit ist daher für uns kein Schlagwort, sondern eine notwendige Voraussetzung für verantwortungsvolles Handeln.
Und dennoch spielt Holz in Ihren Überlegungen eine besondere Rolle.
Holz liefert in vielen Fällen sehr überzeugende Antworten, das ist für uns ausschlaggebend. Es handelt sich um einen nachwachsenden Rohstoff, der CO₂ bindet und damit gut zu den ESG-Anforderungen passt, die für viele unserer Investoren heute selbstverständlich sind. Darüber hinaus bietet Holz konstruktive Vorteile, insbesondere beim Gewicht. Gerade bei komplexen Bestandsstrukturen oder Grundstücken mit begrenzten Tragreserven kann dieser Aspekt entscheidend sein.
Sie entwickeln in Ulm ein ehemaliges Shoppingcenter zu einem urbanen Quartier weiter. Welche Rolle spielt dort der Bestand, den Sie vorfinden?
In Ulm spielt die Bauweise in der Tat eine zentrale Rolle. Wir erhalten etwa die bestehende Tiefgarage, weil dies wirtschaftlich und ressourcenschonend sinnvoll ist. Gleichzeitig müssen wir sehr genau prüfen, welche zusätzlichen Lasten die vorhandene Konstruktion aufnehmen kann. Jede zusätzliche Tonne wirkt sich unmittelbar auf die statische Ertüchtigung aus. In solchen Konstellationen eröffnet der Holzbau zusätzliche Möglichkeiten, weil er deutlich leichter ist als eine klassische Massivkonstruktion. Dadurch entstehen Spielräume bei der Dichte und bei der Wirtschaftlichkeit.
Das heißt, Holz wird hier zum Hebel, weil sie leichter und dadurch mehr bauen können?
In bestimmten Projekten wird Holz tatsächlich zu einem wichtigen Hebel für Nachverdichtung. Wir verfügen über mehrere Grundstücke im Portfolio, bei denen die Frage der Lastreserven eine maßgebliche Rolle spielt. Holz- oder Holzhybridlösungen können in solchen Fällen einen relevanten Unterschied machen. Gleichzeitig prüfen wir jedes Projekt individuell und entscheiden nicht pauschal, sondern auf Grundlage konkreter Rahmenbedingungen.
Sie betonen immer wieder die Technologieoffenheit. Was bedeutet das konkret in der frühen Planung?
Technologieoffenheit bedeutet für uns vor allem, dass wir uns grundsätzlich keine unnötigen Beschränkungen auferlegen. Gerade im Bebauungsplanverfahren sollten die Rahmenbedingungen so formuliert sein, dass unterschiedliche Bauweisen möglich bleiben. Wenn bestimmte Technologien faktisch ausgeschlossen werden, bevor die konkrete Planung beginnt, nimmt man sich wichtige Optionen. Wir setzen uns daher für flexible planungsrechtliche Spielräume ein, ohne die Ziele von Sicherheit, Qualität oder Nachhaltigkeit infrage zu stellen.
In der Praxis stoßen innovative Bauweisen häufig auf regulatorische Fragen, etwa beim Brandschutz. Wie erleben Sie das?
Wir beobachten regelmäßig, dass die Verfahren und Auslegungen teilweise sehr komplex sind. Das betrifft nicht ausschließlich den Holzbau, sondern innovative Bauweisen insgesamt. Für uns ist entscheidend, dass Regelwerke klar, nachvollziehbar und planbar sind, weil nur so Investitionssicherheit entstehen kann. Das betrifft selbstverständlich auch den Brandschutz – der Schutz ist und bleibt unverhandelbar, er muss aber zugleich wirklichkeitsnah geprüft und ausgelegt werden.
Neben technischen und regulatorischen Aspekten sprechen Sie auch über die Qualität von Gebäuden. Welche Rolle spielt das für Sie als Entwickler?
Wir denken Projekte langfristig, das heißt: Ein Gebäude muss wirtschaftlich funktionieren und zugleich eine hohe Aufenthaltsqualität bieten. Holz schafft aus unserer Sicht eine besondere Atmosphäre, die wir in unterschiedlichen Projekten immer wieder erleben. Für Investoren ist diese Qualität relevant, weil sie Identifikation, Vermietbarkeit und langfristige Stabilität unterstützt. Qualität und Wirtschaftlichkeit müssen dabei stets gemeinsam gedacht werden.
Was hat Sie bewogen, Partner der KOALITION für HOLZBAU zu werden?
Die Entscheidung für eine Partnerschaft mit der KOALITION für HOLZBAU ist aus unserem Verständnis für ganzheitliche Projektentwicklung heraus entstanden. Die Koalition bringt Akteure aus Planung, Tragwerksentwicklung, Projektentwicklung und Politik zusammen und schafft damit einen konstruktiven Austauschraum. Wenn wir in großen Portfolios arbeiten, benötigen wir stabile Rahmenbedingungen und technologieneutrale Spielräume. Die Koalition kann dazu beitragen, diese Perspektive sachlich und fachlich fundiert in die politische Diskussion einzubringen.
Welche Expertise möchten Sie selbst einbringen?
Als Landentwickler und Investmentmanager bringen wir unsere Expertise und Erfahrung gern in den Austausch ein. Wir beschäftigen uns sehr früh mit Fragen des Planungsrechts, der Wirtschaftlichkeit und der langfristigen Bewirtschaftung. Wenn wir sagen, dass Holz in bestimmten Konstellationen strategisch sinnvoll ist, dann basiert diese Einschätzung auf konkreten Projektprüfungen und Portfoliobetrachtungen.
Am Ende geht es also weniger um ein Material als um Entscheidungsfreiheit?
Wer in dieser Größenordnung entwickelt, muss Optionen offenhalten und sorgfältig abwägen. Holz ist für uns eine sehr interessante und häufig überzeugende Bauweise, insbesondere im Kontext von Nachhaltigkeit und Leichtbau. Entscheidend ist jedoch, dass die Rahmenbedingungen so gestaltet sind, dass wir diese Optionen verantwortungsvoll und wirtschaftlich sinnvoll nutzen können, dafür sehen wir in der KOALITION für HOLZBAU die richtige Plattform.
Vielen Dank für das Gespräch
WIEN Reise zu Holzbauprojekten

WIEN Reise zu Holzbauprojekten
18. – 20. März 2026
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