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Newsletter Januar 2026

2026 wird sich in der Umsetzung entscheiden. Unser Januar-Newsletter blickt auf die anstehenden Weichenstellungen im Bausektor, ordnet die Debatte um Wirtschaftswende, Produktivität und Beschleunigung ein, stellt mit TATEKU ein neues Partnerunternehmen vor und gibt einen Ausblick auf die Veranstaltungen und politischen Formate der KOALITION für HOLZBAU im Jahr 2026.

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Ausgabe vom

13. Jan. 2025

Editorial

Der Jahreswechsel 2025/2026 ist mehr als ein formaler Neubeginn. Er markiert den Übergang von Analyse zu Umsetzung. Denn das Jahr 2026 darf kein Jahr der Ankündigungen sein – wir brauchen Entscheidungen und Weichenstellungen. Und ob Zuversicht entsteht, wird sich daran messen lassen, ob es gelingt, politische Ziele in wirksame Strukturen zu übersetzen, das gilt ganz besonders für die Immobilienwirtschaft.

 

Der politische Beitrag dieses Newsletters greift diese Frage bewusst als Denkstück auf. Er ordnet die aktuelle Debatte um Wirtschaftswende, Bauturbo und Baukostensenkung ein und macht deutlich, woran es derzeit hakt: weniger an Erkenntnissen als an konsequenter Steuerung, klaren Prioritäten und verlässlicher Umsetzung. Produktivität, Digitalisierung und Einfachheit werden dabei nicht als Schlagworte verstanden, sondern als zusammenhängende Aufgaben.

 

Mit dem Interview mit der TATEKU Group stellen wir zudem ein neues Partnerunternehmen der KOALITION für HOLZBAU vor. Das Gespräch zeigt exemplarisch, wie industrieller Holzbau, serielle Prozesse und digitale Integration in der Praxis zusammenspielen können – und warum der modulare Holzbau ein wichtiger Prüfstein für die Leistungsfähigkeit der bestehenden Rahmenbedingungen ist.

 

Auch der persönliche Austausch bleibt für uns zentral. Am Donnerstag, den 15. Januar 2026, laden wir zum traditionellen Neujahrsempfang der KOALITION für HOLZBAU in die Lettische Botschaft ein. Ergänzend dazu findet am 28. Januar unser parlamentarisches Frühstück statt, bei dem wir den Dialog mit Bundestagsabgeordneten und politischen Entscheidern fortsetzen. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt, da in den kommenden Wochen zentrale Weichenstellungen, unter anderem im Bau- und Planungsrecht, anstehen.

 

Darüber hinaus wird uns das Jahr 2026 mit einer Reihe weiterer Formate begleiten, die den fachlichen und politischen Austausch vertiefen: einer Studienreise nach Wien mit Einblicken in aktuelle Holzbauprojekte, thematischen Veranstaltungen zu KI, Effizienz und Skalierung im Bau, der parlamentarischen Fachtagung sowie dem inzwischen traditionellen Come-together auf der EXPO REAL. Sie alle folgen derselben Logik – Austausch ermöglichen, Perspektiven verbinden und Umsetzung voranbringen.

 

Ich wünsche Ihnen ein gesundes Jahr 2026 und eine informative Lektüre,

 

Ihre

Sun Jensch

Politik

Wir haben viel zu tun – ein Denkstück für das Jahr 2026

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Wie das Jahr 2026 wird, werden wir nicht an Ankündigungen messen, sondern an der Umsetzung. Zuversicht entsteht nicht aus Appellen, sondern aus Entscheidungen. Wer heute von Aufbruch spricht, muss zeigen, wie er steuern will.

 

Für mich heißt das konkret: Eine Wirtschaftswende darf keine Sonntagsrede sein. Sie ist eine Frage politischer Steuerungsfähigkeit. Es geht darum, ob Entscheidungen getroffen, Prioritäten gesetzt und Verfahren so organisiert werden, dass Wirkung entsteht. Gerade im Bausektor wird diese Frage besonders deutlich. Hier treffen langfristige Investitionen auf kurzfristige und versetzt laufende politische Zyklen, hohe regulatorische Anforderungen auf knappe Ressourcen und ambitionierte Ziele auf eine Praxis, die oft nicht Schritt hält.

 

Der Bausektor ist ein besonders sensibler Seismograf für politische Steuerungsfähigkeit. Kaum ein anderer Bereich ist so stark von langfristigen Investitionen, komplexen Genehmigungsprozessen und stabilen Rahmenbedingungen abhängig. Wenn hier Entscheidungen verzögert, widersprüchlich oder nur punktuell getroffen werden, bleiben Wirkung und Vertrauen gleichermaßen auf der Strecke.

Zudem zeigt sich gerade im Bauen, wie groß die Kluft zwischen politischem Anspruch und administrativer Realität geworden ist. Beschleunigung, Vereinfachung und Kostensenkung werden regelmäßig angekündigt, stoßen in der Praxis jedoch auf Strukturen, die genau das Gegenteil begünstigen. Das ist kein individuelles Versagen, sondern ein systemisches Problem – und genau deshalb ist es auch politisch relevant. Nicht zuletzt sehen wir diese strukturelle Schere auch beim Thema Nachhaltigkeit, das wie ein Damoklesschwert über uns hängt. Auf der einen Seite steht da die Privatwirtschaft, die gut und gern nachhaltig entwickeln würde, wenn nicht auf der anderen Seite die öffentliche Hand zwar Nachhaltigkeit immer wieder einfordert, letztlich aber immer nur unter Aspekten der strengsten Wirtschaftlichkeit zu beauftragen bereit ist.

 

 

Die zentralen Herausforderungen

 

Die zentralen Herausforderungen lassen sich klar benennen:

 

- Langwierige und uneinheitliche Genehmigungsverfahren
Verfahren dauern nicht nur zu lange, sie unterscheiden sich auch erheblich von Kommune zu Kommune. Fehlende Standards und uneinheitliche Auslegung schaffen Unsicherheit, erhöhen Risiken und verteuern Projekte bereits in frühen Phasen.

 

- Regulatorische Überkomplexität statt klarer Leitplanken
Neue Anforderungen werden häufig additiv eingeführt, ohne bestehende Regelungen zu überprüfen. Das Ergebnis sind dichte Regelwerke, die Verantwortung verwischen, Entscheidungen verzögern und einfache Lösungen systematisch erschweren.

 

- Fehlende Skalierung und geringe Produktivität
Trotz hoher Nachfrage wird weiterhin projektindividuell geplant und gebaut. Industrielle, serielle oder modulare Ansätze bleiben die Ausnahme, weil Rahmenbedingungen nicht auf Wiederholbarkeit, sondern auf Einzelfalllogik ausgerichtet sind.

 

- Unzureichende Digitalisierung entlang der gesamten Prozesskette
Digitale Antragsverfahren enden oft an analogen Schnittstellen. Solange Planung, Genehmigung und Ausführung nicht durchgängig digital verzahnt sind, bleibt der Effizienzgewinn begrenzt.

 

- Widersprüchliche politische Signale
Beschleunigung wird eingefordert, während technische Anforderungen, Normen und Auslegungspraxen parallel verschärft werden. Diese Inkonsistenz erzeugt Verunsicherung und konterkariert die angestrebten Effekte.

 

Die Diagnose ist keine Fundamentalkritik, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme. Sie macht deutlich, dass es weniger an Erkenntnissen fehlt als an der Fähigkeit, Rahmenbedingungen konsequent auf Wirkung, Produktivität und Umsetzung auszurichten.

 

 

Bauturbo ist ein richtiger Impuls

 

Es wäre allerdings falsch zu behaupten, dass sich nichts bewegt. In den vergangenen Monaten sind wichtige Themen auf die politische Agenda gerückt, die lange als zu komplex oder zu sperrig galten. Vereinfachungen im Baurecht und eine stärkere Offenheit für serielle und modulare zeigen, dass der Handlungsdruck zumindest erkannt ist. Und wir wissen alle: Erkenntnis ist der erste Schritt zu Reformen.

 

Auch Initiativen wie der sogenannte Bauturbo setzen an den richtigen Stellen an. Sie signalisieren den Willen, Verfahren zu beschleunigen, Kosten zu senken und Investitionen wieder zu ermöglichen. Das ist notwendig und richtig. Ohne solche Impulse würde sich die strukturelle Blockade weiter verfestigen.

 

Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass diese Ansätze bislang nicht ausreichen. Einzelmaßnahmen entfalten nur begrenzte Wirkung, wenn sie nicht in eine konsistente Gesamtlogik eingebettet sind.

 

 

Was es für eine Wirtschaftswende braucht

 

Im Zentrum einer wirksamen Wirtschaftswende steht die Frage der Produktivität. Im Bausektor wird sie jedoch noch immer zu selten als politische Zielgröße verstanden. Dabei geht es nicht um Sparprogramme oder Qualitätsverzicht, sondern um die Fähigkeit, mit vorhandenen Ressourcen mehr Wirkung zu erzielen.

 

Ebenso entscheidend ist die Entbürokratisierung. Sie bedeutet nicht weniger Regeln um jeden Preis, sondern bessere Regeln. Einfache, klare und belastbare Standards schaffen Orientierung und ermöglichen Verantwortung. Wo dagegen jede Abweichung zur Ausnahme wird, verliert das System an Geschwindigkeit und Verlässlichkeit.

 

 

Vier Forderungen für mehr Produktivität

 

Eine produktivitätsorientierte Steuerung im Bausektor erfordert deshalb:

 

- Durchgängige Digitalisierung der Wertschöpfungskette
Von der Planung über die Genehmigung bis zur Ausführung müssen Daten konsistent genutzt werden. Medienbrüche, analoge Rückfallebenen und parallele Systeme verhindern Effizienz und verlängern Verfahren unnötig.

 

- Klare Standards statt Einzelfalllogik
Wiederholbarkeit ist die Voraussetzung für Skalierung. Einheitliche technische und rechtliche Standards reduzieren Risiken, senken Kosten und schaffen Planungssicherheit für alle Beteiligten.

 

- Verantwortung dort, wo gebaut wird
Entscheidungen müssen näher an die Umsetzung rücken. Klare Zuständigkeiten beschleunigen Prozesse und stärken die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

 

- Einfach Bauen als systemischer Ansatz
Einfachheit ist kein Rückschritt, sondern eine Voraussetzung für Qualität. Reduzierte Komplexität ermöglicht bessere Planung, geringere Fehleranfälligkeit und schnellere Umsetzung – Stichwort Lowtech!

 

Produktivität ist damit kein technisches Randthema, sondern ein politischer Schlüsselbegriff. Wer im Bausektor Wirkung erzielen will, muss ihn in den Mittelpunkt der Steuerung stellen.

 

 

Die Vorteile des modularen Holzbaus

 

Der modulare Holzbau ist in diesem Zusammenhang kein Sonderthema, sondern ein Prüfstein. Er zeigt exemplarisch, ob politische Rahmenbedingungen tatsächlich auf Produktivität, Skalierung und Umsetzung ausgerichtet sind. Serielle und modulare Systeme entfalten ihre Wirkung nur dann, wenn sie als industrielles Bausystem gedacht werden, mit klaren Standards, hoher Wertschöpfungstiefe und digital integrierten Prozessen. Wir machen damit klar, was im gesamten Bausektor gilt: Nicht die Technologie entscheidet über den Erfolg, sondern die Fähigkeit, Prozesse, Standards und Verantwortung auf die Umsetzung auszurichten.

 

Ob also die kommenden Monate diesen Anspruch einlösen, wird sich an der Konsequenz der Entscheidungenzeigen. Für die KOALITION für HOLZBAU steht fest: Das Jahr 2026 bietet die Chance, Produktivität, Digitalisierung und Einfachheit nicht länger als Schlagworte zu behandeln, sondern als zusammenhängende Aufgaben zu verstehen. Zuversicht entsteht dort, wo diese Verbindung gelingt und wo der Mut vorhanden ist, Dinge anders zu organisieren, als wir es bisher gewohnt sind.

Neue Partner im Interview

Holz kann mehr als Wohnen

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Ein Gespräch mit Herwig Kohla, Geschäftsführender Gesellschafter der TATEKU Group GmbH, über industriellen Holzbau und modulare Prozesse.

 

Neben seriellem Holzmodulbau für den Wohnungsbau engagieren Sie sich im großspannigen Ingenieurholzbau für Logistikimmobilien. Das hört sich zunächst nach einem deutlichen Spagat an.

 

Was diese Bereiche verbindet, ist der industrielle Zugang zum Bauen mit Holz. In Naila im Frankenwald betreiben wir mit [HolzWerk³] einen 3D-Holzmodulbau, in dem wir jährlich bis zu 800 Module für seriellen Wohnungsbau, aber auch für Hotels oder Studierendenwohnen fertigen. Parallel sind wir in Thüringen beim großspannigen Ingenieurholzbau aktiv. Wir produzieren Brettschichtholzträger mit Spannweiten von bis zu 50 Metern, etwa für Logistik- und Industriehallen. In beiden Fällen geht es darum, Holz dort einzusetzen, wo man es zunächst nicht erwartet, und es mit industriellen Prozessen so zu nutzen, dass es wirtschaftlich konkurrenzfähig ist.

 

Gerade Logistikimmobilien gelten als klassische Domäne von Stahl und Beton. Warum setzen Sie hier auf Holz?

 

Eigentlich ist das kein Bruch mit der Tradition. Holz eignet sich hervorragend für große Spannweiten, weil es eine hohe Biegesteifigkeit, eine hohe Festigkeit und zugleich ein geringes Eigengewicht hat. Bei Spannweiten von 40 oder 50 Metern wird der Unterschied zu Stahl oder Beton sehr deutlich, sowohl beim Transport als auch bei der Montage. Hinzu kommt ein recht praktischer Aspekt: Unser Standort in Hermsdorf liegt direkt am Autobahnkreuz A4 und A9, also im Herzen Deutschlands, man kennt Hermsdorf aus den Verkehrsnachrichten. Für den Transport großformatiger Träger ist das ein erheblicher logistischer Vorteil, ein echter Wettbewerbsvorteil. Viele Mitbewerber sitzen bekanntlich sehr weit im Süden oder im äußersten Norden.

 

Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen bei diesem Spezialbau?

 

Die größte Herausforderung ist derzeit die Rohstoffseite. Die statischen Anforderungen an Holztragwerke steigen kontinuierlich, entsprechend benötigen wir hochwertige Holzqualitäten. Gleichzeitig ist das Rundholzangebot aktuell eher knapp. Die großen Borkenkäferjahre liegen hinter und, und die Wälder sind gesund, was ökologisch sehr positiv ist. Für die Sägeindustrie bedeutet dies jedoch geringere Mengen und höhere Preise. Interessant ist dabei, dass wir im Brettsperrholz sehr gut auch Kalamitätsholz einsetzen können. Gerade im inneren Aufbau der Bauteile lässt sich Holz verwenden, das für sichtbare Anwendungen nicht geeignet wäre. Diese Differenzierung wird in der öffentlichen Diskussion oft unterschätzt.

 

Sie setzen konsequent auf 3D-Module aus Brettsperrholz. Warum wählen Sie diesen Ansatz?

 

Brettsperrholz, also CLT, erlaubt uns einen sehr hohen Vorfertigungsgrad von deutlich über 90 Prozent. Die Module werden vollständig im Werk produziert, inklusive aller Installationen. Auf der Baustelle geht es dann sehr schnell, was sowohl Zeit spart als auch Risiken reduziert. Ein wesentlicher Vorteil von CLT ist zudem, dass wir Installationskanäle direkt in das Material fräsen können. Dadurch werden die Wandaufbauten schlanker und wir gewinnen reale Wohnfläche. Gleichzeitig erfüllen wir problemlos die Anforderungen an Brand- und Schallschutz bis in höhere Gebäudeklassen. Aktuell produzieren wir bis zu sechs Module pro Tag und sind für das kommende Jahr nahezu ausgelastet.

 

Was meinen Sie mit Benchmarks außerhalb der Bauwirtschaft, welche Sie häufig ansprechen?

 

Ich komme nicht klassisch aus der Bauindustrie, sondern orientiere mich stark an der Prozess- und Automobilindustrie. Ein gutes Beispiel sind Hotels. In anderen Industrien ist es völlig selbstverständlich, dass Produkte vollständig vorgefertigt, geprüft und versiegelt ausgeliefert werden. Auf der Baustelle wird dann nur noch angeschlossen. Dieses Prinzip übertragen wir so konsequent wie möglich auf den Modulbau. Bevor wir in Serie gehen, entwickeln wir ein Mock-up, testen Abläufe, optimieren Details und reduzieren Komplexität. Erst wenn das funktioniert, starten wir mit der Produktion. Dadurch erreichen wir Baukosten von unter 2.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Das ist für uns die entscheidende Grenze, wenn wir über leistbares Wohnen sprechen.

 

Sie sind nun Partner der KOALITION FÜR HOLZBAU. Was erwarten Sie von dieser Zusammenarbeit?

 

Was ich daran sehr schätze, ist der sachliche und interdisziplinäre Austausch. Hier kommen Träger, Hersteller, Planerinnen und Planer und Entwicklungsbüros ohne Polemik und ohne ideologische Schärfe zusammen. Gerade gegenüber der Politik ist das enorm wichtig. Es reicht nicht, Schlagworte wie „Bauturbo“ oder „serielles Bauen“ zu wiederholen. Entscheidend ist, mit fachlicher Kompetenz zu erklären, was tatsächlich gebraucht wird, wo die Engpässe liegen und welche Rahmenbedingungen industrielles Bauen ermöglichen und beschleuinigen. Die KOALITION FÜR HOLZBAU leistet hier aus meiner Sicht einen wichtigen Beitrag, weil sie Erfahrungen aus der Praxis bündelt und in die politische Diskussion einbringt.

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