Newsletter März 2026
Planungssicherheit im Bauen – und wie sie entsteht. Mit dem Interview mit Thomas Beyerle zur deutschen Förderlandschaft, einer politischen Einordnung zum Ende der Holzbauförderung in Bayern und einem Ausblick auf die parlamentarische Fachtagung BAUEN.NEXT am 7. September in Berlin.

Ausgabe vom
17. März 2026
Wie entsteht Orientierung in einer Branche, die sich gerade grundlegend verändert? Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch viele aktuelle Debatten im Bausektor. Neue Anforderungen an Klimaschutz, Materialeinsatz und Bauprozesse treffen auf einen Wohnungsmarkt, der dringend mehr Tempo braucht. Gleichzeitig wächst die Zahl politischer Instrumente, Programme und Regelwerke, die diesen Wandel unterstützen sollen.
Im Interview in dieser Ausgabe spricht der Immobilienökonom Professor Dr. Thomas Beyerle über genau diese Gemengelage. Seine Diagnose ist prägnant: Deutschland habe inzwischen eine „Förderlotterie“. Zahlreiche Programme verfolgen legitime politische Ziele, doch für die Praxis entsteht daraus oft ein System, das zunächst verstanden werden muss, bevor es überhaupt wirken kann. Entscheidend sei deshalb weniger die Zahl der Instrumente als ihre Verlässlichkeit und ihre Fähigkeit, Orientierung zu geben.
Wie aktuell diese Frage ist, zeigt ein Beispiel aus Bayern. Dort wurde die Förderung für Holzbauprojekte überraschend gestoppt, obwohl das Programm offiziell noch bis Ende 2026 laufen sollte. Der Schritt sorgt in der Branche für Diskussionen, weil Förderpolitik gerade dann Wirkung entfaltet, wenn sie Planungssicherheit ermöglicht. In unserer politischen Einordnung in dieser Ausgabe ordnen wir diese Entscheidung in die deutsche Förderlandschaft ein und diskutieren, welche Rolle verlässliche Rahmenbedingungen für Innovation im Bauen spielen.
Gleichzeitig wird deutlich: Die Transformation des Bauens lässt sich nicht allein über Programme und Förderrichtlinien steuern. Sie braucht den Dialog zwischen Politik, Planung, Bauwirtschaft und Investoren.
Genau darum geht es bei der 5. Parlamentarischen Fachtagung der KOALITION für HOLZBAU am 7. September 2026 in Berlin. Unter dem Titel „BAUEN.NEXT – Zukunft gestalten, Realität beschleunigen“ steht die Frage im Mittelpunkt, wie wir schneller, klüger und klimaneutral bauen können. Von ressourcenschonenden Bauweisen über digitale Werkzeuge bis hin zur praktischen Umsetzung des angekündigten Bau-Turbos treffen hier Innovation, Praxis und politischer Gestaltungswille aufeinander.
Unser Ziel bleibt dabei unverändert: den Austausch zwischen Politik und Praxis zu fördern und konkrete Wege aufzuzeigen, wie nachhaltiges, effizientes und zukunftsfähiges Bauen gelingen kann.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.
Sun Jensch,
Geschäftsführerin der KOALITION für HOLZBAU
Wer fördern will, muss verlässlich sein

Die Förderpolitik im Bausektor gleicht in Deutschland zunehmend einem System, das selbst erklärungsbedürftig geworden ist. Im Interview in diesem Newsletter beschreibt Professor Thomas Beyerle diese Situation treffend als eine „Förderlotterie“. Zahlreiche Programme verfolgen legitime politische Ziele, entstehen jedoch häufig aus regionalen oder sektoralen Interessen heraus. Für die Praxis bedeutet das: Wer bauen will, muss sich durch eine Vielzahl von Instrumenten arbeiten, ohne dass daraus automatisch mehr Klarheit entsteht.
Dabei liegt das eigentliche Problem nicht im Kapital. Investitionsmittel sind grundsätzlich vorhanden. Entscheidend ist vielmehr, ob die politischen Rahmenbedingungen Orientierung geben und verlässlich genug sind, um langfristige Projekte zu ermöglichen.
Kapital verhält sich bekanntlich scheu wie ein Reh. Es kommt nur dann auf die Lichtung, wenn die Umgebung ruhig und berechenbar erscheint. Wird diese Ruhe gestört, zieht es sich schnell zurück.
Der überraschende Stopp der bayerischen Holzbauförderung zeigt exemplarisch, welche Folgen fehlende Verlässlichkeit haben kann. Obwohl das Programm offiziell bis Ende 2026 laufen sollte, werden seit März keine neuen Anträge mehr angenommen. Für viele Marktteilnehmer kam dieser Schritt unerwartet.
„Nahezu jeder Projektentwickler in Bayern ist davon ausgegangen, dass die Förderung 2026 weiterläuft“, sagt Stefan Stenzel von Timber Homes Raummodule. „Wenn eine Förderung ohne Vorwarnung endet, führt das zwangsläufig dazu, dass Projekte neu bewertet, verschoben oder teilweise umgeplant werden.“
Dabei ging es bei der Förderung weniger um die Wirtschaftlichkeit einzelner Projekte als um einen wichtigen Impuls für Innovation. Gerade im seriellen und modularen Holzbau hat sie dazu beigetragen, dass sich Projektentwickler intensiver mit industriellen Bauweisen auseinandersetzen.
„Förderprogramme geben häufig den entscheidenden Anstoß, damit Bauherren neue Bauweisen überhaupt in Betracht ziehen“, erklärt Stefan Anderl, Geschäftsführer des Holzbauspezialisten ELK TECH. Fällt dieser Impuls weg, geraten insbesondere innovative Wohnungsbauprojekte unter Druck.
Auch die Immobilien Zeitung hat die Entscheidung und ihre Auswirkungen auf die Branche ausführlich aufgegriffen. Die dort versammelten Stimmen zeigen ein ähnliches Bild. So bewertet auch Anders Übelhack von Züblin Timber die Förderung als wichtigen Treiber: „Die Förderung war aus unserer Sicht ein sehr wertvoller Impuls für nachhaltiges Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen – ein Impuls, der nun leider wegfällt.“ Zwar habe der Stopp keine unmittelbaren Auswirkungen auf laufende Projekte, wie sich der Wegfall künftig auswirken werde, bleibe jedoch abzuwarten. Das grundsätzliche Potenzial des Holzbaus stellt Übelhack dabei nicht infrage.
Der Zeitpunkt wirkt umso widersprüchlicher, als die Anforderungen an klimaverträgliches Bauen gleichzeitig steigen. Mit der CO₂-Bilanzierung von Gebäuden ab 2027 und dem Ziel der Klimaneutralität bis 2030 gewinnen Bauweisen mit niedriger Emissionsbilanz zunehmend an Bedeutung.
Natürlich muss kein Förderprogramm dauerhaft bestehen. Politische Prioritäten verändern sich, Haushaltsmittel sind begrenzt. Doch wenn Förderpolitik Wirkung entfalten soll, braucht sie vor allem eines: Berechenbarkeit.
Der Fall Bayern steht deshalb stellvertretend für ein größeres Problem der deutschen Förderlandschaft. Programme werden aufgelegt, angenommen – und manchmal ebenso abrupt wieder beendet. Für eine Branche, die in Projekten mit Planungszeiträumen von zehn oder fünfzehn Jahren arbeitet, ist das ein schwieriges Signal.
Wer Innovation im Bauen wirklich fördern will, muss daher nicht nur Programme auflegen. Er muss auch dafür sorgen, dass sich Investoren und Projektentwickler auf sie verlassen können.
„Der Bauturbo ist in Wirklichkeit ein Umbauturbo“
Ein Gespräch mit Professor Dr. Thomas Beyerle

Professor Dr. Thomas Beyerle
Herr Professor Beyerle, wenn man über Erwachsenenbildung in der Immobilienwirtschaft spricht, denkt man oft an klassische Formate: Unternehmen schicken Mitarbeiter auf ein Seminar, um fachlich auf dem neuesten Stand zu bleiben. Sie beobachten derzeit eine andere Entwicklung. Wer sitzt heute eigentlich in solchen Programmen?
Wir sehen tatsächlich eine interessante Verschiebung. Früher kamen viele Teilnehmer über ihre Unternehmen in solche Programme. Heute ist der Anteil der Selbstzahler deutlich gestiegen. Menschen entscheiden sich bewusst, in ihre eigene Weiterbildung zu investieren, oft auch in Phasen des Umbruchs. Manche nutzen eine berufliche Neuorientierung oder eine Auszeit, andere investieren ganz bewusst eigenes Geld, weil sie spüren, dass sich die Branche verändert.
Das verändert auch die Dynamik im Seminarraum. Dort sitzen weniger Gruppen, die von einem Unternehmen geschickt wurden, sondern stärker einzelne Persönlichkeiten mit ganz unterschiedlichen beruflichen Hintergründen und Erwartungen.
Gleichzeitig wächst der Weiterbildungsmarkt insgesamt sehr stark, wird aber auch unübersichtlicher.
Das stimmt. Es gibt heute eine enorme Zahl an Angeboten, und damit wächst auch der Druck, Inhalte ständig weiterzuentwickeln. Themen entstehen heute viel schneller als früher.
Das merkt man zum Beispiel bei Künstlicher Intelligenz oder Data Centern. Die Nachfrage danach ist groß, aber die eigentliche Expertise kommt oft gar nicht aus der klassischen Immobilienwirtschaft. Deshalb holen wir bewusst Referenten aus anderen Branchen dazu. Heute stammt etwa die Hälfte unserer Dozenten von außen. Genau diese Mischung macht Weiterbildung spannend, weil neue Perspektiven in die Branche hineinkommen.
Wenn sich Themen so schnell verändern, verändert sich wahrscheinlich auch die Art, wie gelernt wird. Während der Pandemie schien vieles Richtung Online und Hybrid zu gehen. Ihre Erfahrungen in der Erwachsenenbildung wirken heute differenzierter.
Das stimmt. Natürlich haben wir während der Pandemie alle gelernt, dass Online-Formate funktionieren können. Viele Programme sind in dieser Zeit auf Hybrid oder digitale Formate umgestellt worden. Aber die Erfahrung zeigt: Die Realität ist differenzierter.
Man kann vieles online anbieten, und es wird zunächst auch wertgeschätzt. Aber spätestens beim zweiten oder dritten Termin kommt oft die Frage, ob man nicht wieder mehr Präsenz machen kann. Weiterbildung lebt eben stark vom Austausch und von Diskussionen.
Was besonders gut funktioniert, sind Formate mit direktem Praxisbezug. Exkursionen zum Beispiel. Wenn Teilnehmer Projekte vor Ort sehen, die verantwortlichen Personen treffen und direkt Fragen stellen können, entsteht ein ganz anderes Verständnis. Deshalb arbeiten wir heute stärker mit Case Studies. Die Teilnehmer bekommen reale Projekte und entwickeln dazu gemeinsam Lösungen. Das ersetzt in manchen Programmen sogar klassische Klausuren.
In vielen Programmen der Immobilienwirtschaft galt lange die Projektentwicklung als Königsdisziplin. Wer Karriere machen wollte, wollte Entwickler werden. Hat sich diese Perspektive verändert?
In den Jahren vor 2021 war der Andrang in diesen Bereichen in der Tat enorm. Es gab Kurse, in denen die Hälfte der Teilnehmer aus der Projektentwicklung kam. Viele waren sehr jung und wollten möglichst schnell in diese Rolle hinein. Der Arbeitgeber hat dann gesagt: Da fehlt vielleicht noch ein bisschen Erfahrung, also schicken wir sie in eine Weiterbildung zum Thema Development. Der Markt hat das damals auch hergegeben. Aber seit einigen Jahren sehen wir eine andere Entwicklung.
Heute verschiebt sich der Fokus also stärker in Richtung Bestand und Transformation?
Vieles, was wir früher selbstverständlich im Neubau gedacht haben – Grundstück, Kapital, Projektidee –, funktioniert so nicht mehr. Die Realität der nächsten Jahre wird viel stärker von Sanierung, Umbau und Bestandsentwicklung geprägt sein.
Damit verändern sich auch die Anforderungen an das Wissen in der Branche. Plötzlich rücken Fragen in den Mittelpunkt, die früher kaum eine Rolle gespielt haben: Welche Materialien stecken eigentlich im Gebäude? Was lässt sich erhalten, was muss ersetzt werden? Und wie geht man konstruktiv mit bestehenden Strukturen um? Wenn ein großer Teil der Investitionen künftig in Bestandsoptimierung und Sanierung fließt, braucht die Branche dafür auch ein anderes technisches Verständnis.
Die Koalition für Holzbau versteht sich als Plattform für innovatives Bauen. Innovation bedeutet für Sie heute eher Weiterbauen als Neubauen?
So würde ich es formulieren. Wenn Investitionen stärker in Sanierung, Umbau oder Nachverdichtung gehen, verschiebt sich automatisch auch das Wissen, das man braucht. Dann wird entscheidend, wie Gebäude konstruiert sind und wie man mit dem Bestand sinnvoll weiterarbeitet.
Und deshalb sage ich manchmal zugespitzt: Der viel diskutierte Bauturbo ist in Wirklichkeit eher ein Umbauturbo. Die große Aufgabe der nächsten Jahre wird nicht nur das neue Gebäude sein, sondern der intelligente Umgang mit dem, was bereits steht.
Viele Praktiker sagen inzwischen, dass Förderprogramme selbst zu einer eigenen Disziplin geworden sind. Zwischen KfW-Programmen, Landesförderungen und kommunalen Initiativen entsteht schnell ein komplexes Geflecht. Entwickelt sich hier eine Förderarchitektur, die am Ende Orientierung schafft oder eher zusätzliche Komplexität?
Wir haben in Deutschland eine sehr kleinteilige Förderlandschaft aufgebaut. Auf Bundesebene kennt jeder die großen Programme, etwa von der KfW. Sobald man auf die Ebene der Bundesländer schaut, vervielfacht sich das Bild sehr schnell. Zwischen Kiel und Garmisch kommen weit über hundert unterschiedliche Programme zusammen. Das führt dazu, dass sich viele Akteure intensiver mit Fördertöpfen beschäftigen als mit den eigentlichen Projekten.
Die Förderung wird also selbst zu einem System, das man erst einmal verstehen muss.
Wir haben in Deutschland tatsächlich eine Förderlotterie. Viele Programme verfolgen legitime politische Ziele, aber sie entstehen oft aus regionalen oder sektoralen Interessen heraus. Für die Praxis bedeutet das: Man muss sich durch eine Vielzahl von Möglichkeiten arbeiten, ohne dass daraus automatisch mehr Klarheit entsteht.
Kapital ist grundsätzlich vorhanden. Die größere Herausforderung liegt darin, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Orientierung geben und Skalierung ermöglichen. Manchmal wäre weniger Vielfalt an Programmen wirkungsvoller als eine sehr große Zahl einzelner Förderinstrumente.
Vielen Dank für das Gespräch.
Die Seminare der HOLZBAU-AKADEMIE

Online-Seminar: Neue Schallschutznorm DIN 4109-1 und -2 – Anforderungen im modernen Holzbau und der Spagat zwischen Schallschutz und Wirtschaftlichkeit
Der Dozent:
Adrian Blödt
Der Termin:
8. Mai 2026 10:00 – 12:00 Uhr
Die neue DIN 4109-1 regelt den Schallschutz im Hochbau für schutzbedürftige Räume und setzt damit neue Mindestanforderungen an den Schallschutz beim Wohnungsbau und deren Wohnqualität. Die Neuigkeiten und damit Errungenschaften werden im Seminar vorgestellt.
Zudem geht der Dozent auf die Kostentreiber beim Schallschutz ein und welche Lösungen auch durch die Anwendung der neuen DIN sinnvoll sind.
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5. Parlamentarische Fachtagung

KI.Next Level: Effizienz, Prozesse, Skalierung
Am 7. Juli 2026 lädt die KOALITION für HOLZBAU in Berlin zur Veranstaltung „KI.Next Level: Effizienz, Prozesse, Skalierung“ ein. Im Mittelpunkt steht der Einsatz von Künstlicher Intelligenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Projektentwickler bis zum Bauunternehmen.
Bauen.Next: Zukunft gestalten, Realität beschleunigen
Am 7. September 2026 findet in Berlin die 5. Parlamentarische Fachtagung der KOALITION für HOLZBAU statt. Im Mittelpunkt stehen der Austausch mit politischen Entscheidern sowie Vertretern aus Verwaltung und Praxis zu aktuellen Fragen der Bau- und Wohnungspolitik. Die Veranstaltung bietet Raum für fachliche Diskussionen, Networking und die Einordnung zentraler Weichenstellungen für innovatives Bauen.
