Newsletter August 2026
Bauen.Next: Jetzt zählt die Praxis
In den kommenden Wochen stehen wichtige Entscheidungen an. Die politische Herbstphase beginnt mit zentralen Debatten über Bau-Turbo, BauGB-Novelle und Gebäudetyp E. Wir blicken auf die politische Fachtagung, aktuelle Projekte im Holzbau und den Start von „KfH. Systemische Bestandssanierung“.

Ausgabe vom
25. Aug 2026
Die politische Sommerpause geht zu Ende, und für die Bau- und Immobilienwirtschaft beginnen intensive Wochen – auch Herbst der Reformen genannt. Bau-Turbo, BauGB-Novelle und Gebäudetyp E werden die politische Diskussion weiter prägen. Entscheidend wird nun, welche Wirkung die neuen Instrumente in der Praxis entfalten und welche weiteren Weichen für schnelleres, nachhaltiges und wirtschaftliches Bauen gestellt werden.
Genau darüber wollen wir am 7. September auf unserer 5. Parlamentarischen Fachtagung „BAUEN.NEXT: Zukunft gestalten, Realität beschleunigen“ im Berliner Kronprinzenpalais diskutieren. Zum Auftakt der ersten politischen Woche nach der Sommerpause bringen wir Vertreter aus Politik, Wohnungswirtschaft, Projektentwicklung, Wissenschaft und Baupraxis zusammen. Zwei Wochen vor der Veranstaltung möchte ich Sie deshalb noch einmal herzlich einladen: Nutzen Sie die Gelegenheit aktuelle Informationen, den Wissens-Austausch und damit auch Orientierung zu bekommen und melden Sie sich an.
Wie moderner Holzbau bereits heute in der Praxis skalierbar funktioniert, zeigt unser Interview mit Frank Lewers von Terhalle über die Oxford Höfe in Münster. Das Projekt verbindet die Weiterentwicklung historischer Bausubstanz mit neuen Gebäuden in Holz-Hybrid-Bauweise und zeigt zugleich, welche Bedeutung Vorfertigung für größere Quartiersentwicklungen gewinnen kann.
Mit „KfH. Systemische Bestandssanierung“ richten wir den Blick zugleich stärker auf den Gebäudebestand. Im September startet die KOALITION für HOLZBAU eine eigene Initiative mit dem Ziel, serielle Sanierung als Systemlösung weiterzuentwickeln. Marc Böhnke und Matthias Mand erläutern im Gespräch, warum dafür eine genaue Kenntnis des Bestands, skalierbare Prozesse und eine frühzeitige Planung zusammengehören. Und im Übrigen: auch bei der systemischen Bestandssanierung gibt es noch zahlreiche politische Hausaufgaben.
Die HOLZBAU AKADEMIE wartet im Herbst mit zum Teil völlig neuen Seminarthemen auf. Vom Gebäuderessourcenpass über Vergaberecht und CO₂-Speicherung bis zur seriellen Sanierung und BauGB-Novelle greifen wir Fragen auf, die Politik und Praxis in den kommenden Monaten beschäftigen werden.
Ich wünsche Ihnen eine informative Lektüre und freue mich auf ein Wiedersehen am 7. September in Berlin.
Ihre
Sun Jensch
5. Parlamentarische Fachtagung
Mit dem Start der politischen Herbstphase beginnt eine wichtige Kapitel für die Bau- und Wohnungspolitik. Bau-Turbo und Gebäudetyp E haben die Diskussion der vergangenen Monate geprägt, zahlreiche Reformen sind auf den Weg gebracht, die BauGB-Novelle steht als nächstes auf der Agenda. Am 7. September, zum Auftakt der ersten politischen Woche in Berlin, wollen wir gemeinsam darüber sprechen, wie weit wir bei der Umsetzung tatsächlich gekommen sind.
Bei unserer 5. Parlamentarischen Fachtagung „BAUEN.NEXT: Zukunft gestalten, Realität beschleunigen“ im Kronprinzenpalais bringen wir Politik, Wohnungswirtschaft, Projektentwicklung, Baupraxis und Wissenschaft zusammen. Mit dabei sind unter anderem Wolfgang Kubicki, Ina Scharrenbach, Christian Gaebler, Dorothee Martin, Bettina Hagedorn, Jörg Franzen, Eva Weiß, Robert Grüneis, Prof. Dr. Katharina Kleinschrot, Hendrik Bollmann MdB und Michael Kießling MdB.
Im Mittelpunkt stehen die Fragen, die für die kommenden Monate entscheidend werden: Wo wird der Bau-Turbo bereits angewendet und welche – teilweise auch skurrilen – Erfahrungen machen Kommunen und Projektentwickler damit? Was bringt die BauGB-Novelle für die Praxis? Wie geht es mit dem Gebäudetyp E weiter? Dabei wollen wir auch konkrete Fälle aus aktuellen Projekten diskutieren und zeigen, wo neue Instrumente bereits Möglichkeiten eröffnen und an welchen Stellen weiterhin Handlungsbedarf besteht.
Auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen des Bauens werden eine wichtige Rolle spielen. Kreislaufwirtschaft, CO₂-Bepreisung und neue Anforderungen an Wirtschaftlichkeit und Ressourceneinsatz verändern Planungs- und Investitionsentscheidungen. Auf der Fachtagung bringen wir diese Themen mit den Erfahrungen aus konkreten Projekten zusammen.
In zwei Wochen ist es so weit. Wir freuen uns auf einen intensiven Austausch im Kronprinzenpalais und laden Sie herzlich ein, am 7. September Teil der Diskussion zu sein. Melden Sie sich jetzt zur 5. Parlamentarischen Fachtagung der KOALITION für HOLZBAU an.
Wir bedanken uns sehr herzlich bei den diesjährigen Sponsoren für ihre Unterstützung der Parlamentarischen Fachtagung. Besuchen Sie im Rahmen der Fachtagung auch unsere begleitende Ausstellung, in der Unternehmen ihre Projekte und Lösungen für die Zukunft des Bauens präsentieren.
Oxford Höfe Münster: Nachhaltiger Holzbau im historischen Quartier
Auf dem Gelände der ehemaligen Oxford-Kaserne im Münsteraner Stadtteil Gievenbeck entsteht ein neues Stadtquartier mit rund 1.200 Wohneinheiten, Grünflächen und neuen Mobilitätsangeboten. Historische Gebäude der früheren Kaserne bleiben erhalten und werden durch Neubauten ergänzt. Das Leitbild „erhalten – erschaffen – erleben“ beschreibt den Ansatz, die vorhandene Bausubstanz weiterzuentwickeln und mit neuen Nutzungen zu verbinden.
Ein Teil davon sind die Oxford Höfe, die Terhalle und Temmink gemeinsam entwickeln, bauen und vermarkten. Auf dem Baufeld entstehen 198 Wohneinheiten sowie ein Wohn- und Geschäftshaus und ein Senior-Living-Angebot. Die Neubauten werden überwiegend in Holz-Hybrid-Bauweise errichtet, die ehemalige Wagenhalle wird in Holzbauweise weiterentwickelt. Die Fertigstellung des Teilquartiers ist für Ende 2028 vorgesehen.
Ein Gespräch mit Frank Lewers, Geschäftsführer der Terhalle Holzbau GmbH, über die Verbindung von Bestand und Neubau, Holz-Hybrid-Bauweise und nachhaltige Quartiersentwicklung.
Die Oxford Höfe entstehen auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne, historische Gebäude bleiben erhalten, zugleich kommen neue Wohngebäude hinzu. Was macht dieses Nebeneinander von Bestand und Neubau für Sie interessant?
Frank Lewers: Die Verbindung von Bestand und Neubau ist eine der besonderen Qualitäten der Oxford Höfe. Wir entwickeln hier ein Stück Stadt weiter, dessen Geschichte weiterhin ablesbar bleibt, und ergänzen es um zeitgemäße Gebäude und neue Nutzungen. Im Teilquartier entstehen insgesamt 198 Wohneinheiten für unterschiedliche Lebensphasen, dazu kommen gewerbliche und gemeinschaftlich genutzte Flächen. Für uns ist das ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Stadtentwicklung heute funktionieren kann: vorhandene Ressourcen weiter nutzen, neue Gebäude mit einem hohen Anspruch an Nachhaltigkeit errichten und daraus ein Quartier entwickeln, das langfristig trägt.
Bei den Neubauten setzen Sie auf unterschiedliche Bauweisen: Die Mehrfamilienhäuser und das Wohn- und Geschäftshaus entstehen in Holz- Hybrid-Bauweise, die Wagenhalle vollständig in Holz. Warum spielt Holz bei den Oxford Höfen eine so wichtige Rolle?
Frank Lewers: Holz ist einer der nachhaltigsten Baustoffe überhaupt. Es speichert CO₂, wächst nach und ermöglicht eine besonders ressourcenschonende Bauweise. Gleichzeitig profitieren wir von einer hohen Bauqualität, einem angenehmen Raumklima und einer effizienten Bauabwicklung durch den hohen Vorfertigungsgrad. Gerade bei größeren Quartiersentwicklungen wie den Oxford Höfen zeigt sich, welches Potenzial moderner Holzbau heute bietet.
Der hohe Vorfertigungsgrad ist also ein wesentlicher Teil dieser Rechnung?
Frank Lewers: Auf jeden Fall. Die Vorfertigung ermöglicht uns, viele Arbeitsschritte unter kontrollierten Bedingungen durchzuführen und die Abläufe auf der Baustelle deutlich effizienter zu gestalten. Das schafft Planungssicherheit, verkürzt die Bauzeit und trägt gleichzeitig zu einer hohen Ausführungsqualität bei. Deshalb investieren wir kontinuierlich in moderne Fertigungstechnologien und die Weiterentwicklung unserer Holzbaulösungen.
Dabei setzen Sie bewusst nicht überall auf reinen Holzbau, sondern kombinieren unterschiedliche Materialien.
Frank Lewers: Die Holz-Hybrid-Bauweise verbindet die Stärken verschiedener Materialien miteinander. Dort, wo Holz seine Vorteile ausspielen kann, setzen wir konsequent auf den natürlichen Baustoff. Andere Materialien ergänzen die Konstruktion dort, wo sie technisch sinnvoll sind. So entstehen wirtschaftliche, langlebige und gleichzeitig nachhaltige Gebäude, die hohen Anforderungen an Energieeffizienz und Wohnkomfort gerecht werden.
Die Bauweise ist dabei nur ein Teil des Nachhaltigkeitskonzepts. Die Oxford Höfe sollen den KfW-40-Standard erreichen und werden nach QNG zertifiziert. Wie weit reicht Ihr Nachhaltigkeitsverständnis bei einem solchen Quartier?
Frank Lewers: Nachhaltigkeit beginnt für uns bei der Planung, setzt sich über die Materialauswahl und die industrielle Vorfertigung fort und endet nicht mit der Fertigstellung des Gebäudes. Unser Ziel ist es, möglichst ressourcenschonend zu bauen und Gebäude zu schaffen, die über viele Jahrzehnte hinweg bestehen. Bei den Oxford Höfen gehören dazu eine energieeffiziente Gebäudetechnik, begrünte Freiflächen sowie Fahrradstellplätze und E-Ladepunkte. Auch innerhalb unseres Unternehmens beschäftigen wir uns intensiv mit der Klimawirkung des Bauens; die Zertifizierung durch die Gesellschaft für Klimaschutz in der Holzindustrie ist ein Teil dieses Weges.
Bei den Oxford Höfen geht es zugleich um mehr als die einzelnen Gebäude. Sie schaffen Wohnangebote für sehr unterschiedliche Lebensphasen – vom Studentenapartment über Reihen- und Mehrfamilienhäuser bis zum Senior Living. Was bedeutet das für die Entwicklung des Quartiers?
Frank Lewers: Hier entsteht deutlich mehr als Wohnraum. Mit elf Reihenhäusern, drei Mehrfamilienhäusern, Studentenapartments und einem Seniorenwohnangebot mit bis zu 32 barrierefreien Wohnungen sprechen wir Menschen in ganz unterschiedlichen Lebensphasen an. Zwei großzügige, begrünte Innenhöfe schaffen gemeinschaftliche Freiräume und Orte der Begegnung. Hinzu kommen kurze Wege, nachhaltige Mobilitätsangebote, Gastronomie und medizinische Versorgung. Genau solche Quartiere werden künftig immer wichtiger sein.
„Wir müssen in Lösungen denken, die skalierbar sind“
Ein Gespräch mit Marc Böhnke und Matthias Mand über den Sanierungsbedarf großer Gebäudebestände, die Bedeutung einer frühen Bestandsanalyse und das Potenzial serieller Lösungen.
Wer über die Sanierung großer Gebäudebestände spricht, landet schnell bei technischen Lösungen, Kosten und Förderprogrammen. Am Anfang steht allerdings eine viel grundlegendere Frage: Wie gut kennen Eigentümer ihren eigenen Bestand?
Matthias Mand: Gerade bei großen Beständen fehlen häufig verlässliche Zahlen, Daten und Fakten zu Flächen, Bauteilen und Sanierungsbedarfen. Wir haben deshalb die Grundlagenermittlung von Bestandsgebäuden digitalisiert. Mit unserer Software lässt sich der Zustand eines Gebäudes strukturiert erfassen und der Sanierungsbedarf bereits sehr früh mit regionalisierten Kosten hinterlegen. Damit erhalten Eigentümer eine belastbare Grundlage für ihre Entscheidungen, bevor die eigentliche Planung beginnt.
Marc Böhnke: Für die Planung ist genau das entscheidend. Wer seriell sanieren möchte, muss seinen Bestand vorher sehr genau untersucht und verstanden haben. Ein Gebäude kann von außen hervorragend für eine serielle Sanierung geeignet erscheinen und konstruktiv trotzdem Schwierigkeiten bereiten. Wir haben aktuell beispielsweise ein Projekt mit Poroton-Mauerwerk, bei dem die Tragfähigkeit für die Befestigung vorgefertigter Fassadenelemente sehr genau untersucht werden muss. Deshalb beginnt bei uns jedes Projekt mit einer Machbarkeitsstudie.
Sie sprechen damit beide über eine Art Leistungsphase null. Was muss geklärt sein, bevor überhaupt über ein konkretes Sanierungssystem entschieden wird?
Marc Böhnke: Wir untersuchen zunächst, was das Gebäude konstruktiv kann, wie die vorhandenen Bauteile aufgebaut sind und welche Lösungen technisch und wirtschaftlich sinnvoll sind. Dafür braucht es eine unabhängige Planung. Am Markt gibt es inzwischen unterschiedliche Systeme für die serielle Sanierung, und jedes hat seine Berechtigung für bestimmte Gebäude. Die Aufgabe des Planers besteht darin, ausgehend vom Bestand die geeignete Lösung zu entwickeln.
Matthias Mand: Wir setzen noch einen Schritt früher an. Die Grundlagenermittlung schafft Transparenz darüber, was überhaupt vorhanden ist. Bei Kommunen erleben wir häufig, dass Informationen zu Gebäuden an verschiedenen Stellen liegen oder über Jahre unterschiedlich dokumentiert wurden. Wenn Flächen, Zustand und Sanierungsbedarf strukturiert erfasst sind, haben Entscheider und Fachplaner eine gemeinsame Wissensgrundlage. Darauf lässt sich anschließend eine fundierte Machbarkeitsprüfung aufbauen.
Gerade Kommunen verfügen über sehr große und heterogene Portfolios. Wie groß ist der Bedarf an einer solchen systematischen Bestandsaufnahme?
Matthias Mand: Kommunen sind inzwischen unsere größte Kundengruppe. Wir arbeiten mit mehr als 600 kommunalen Kunden und mehreren großen Landeskirchen. Ein gutes Beispiel ist das Projekt Oikos mit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Dort wurden innerhalb von rund zweieinhalb Jahren mehr als 5.000 Gebäude erfasst. Bei solchen Größenordnungen wird deutlich,
weshalb eine systematische Vorgehensweise notwendig ist. Wer Tausende Gebäude bewirtschaftet, muss zunächst wissen, welche Bestände vorhanden sind, in welchem Zustand sie sich befinden und wo Investitionen sinnvoll eingesetzt werden können.
Marc Böhnke: Genau diese Größenordnung führt unmittelbar zur seriellen Sanierung. Es gibt Bestandshalter mit Hunderten oder mehr als tausend Gebäuden. Wenn man betrachtet, wie viele Gebäude in den kommenden Jahren energetisch ertüchtigt werden müssen, wird schnell klar, dass wir mit herkömmlichen Einzelprozessen kaum die notwendige Geschwindigkeit erreichen können. Wir brauchen Lösungen, die wiederholbar und skalierbar sind.
Damit sind wir beim seriellen Sanieren. Wo liegt aus Ihrer Sicht der wesentliche Vorteil gegenüber einer konventionellen Sanierung?
Marc Böhnke: Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Vorfertigung und der damit verbundenen Qualität. Im Holzrahmenbau können Fassadenelemente unter kontrollierten Bedingungen im Werk gefertigt und anschließend innerhalb kurzer Zeit am Gebäude montiert werden. Ein großer Teil des Bauprozesses wandert damit von der Baustelle in die Produktion. Das verkürzt die Installationszeit vor Ort erheblich und ist gerade bei bewohnten Gebäuden ein wichtiger Faktor. Die Bewohner haben dann nicht über lange Zeit ein Gerüst vor den Fenstern und eine Baustelle unmittelbar vor der Wohnung.
Matthias Mand: Für große Bestandshalter kommt ein weiterer Punkt hinzu: Ein serieller Prozess wird interessant, wenn ich ihn auf viele Gebäude übertragen kann. Dafür muss ich früh erkennen, welche Gebäude vergleichbare Voraussetzungen haben. Aus der Bestandsanalyse können Gebäudeklassen und Sanierungsbedarfe abgeleitet werden, und damit entsteht die Grundlage dafür, Maßnahmen über größere Portfolios hinweg zu strukturieren.
Die Wirtschaftlichkeit bleibt trotzdem ein zentraler Punkt. Eine vorgefertigte Holzfassade kostet zunächst mehr als eine einfache konventionelle Dämmmaßnahme. Wie lässt sich das zusammenbringen?
Marc Böhnke: Bei einem reinen Vergleich der Investitionskosten ist die serielle Sanierung häufig teurer. Wirtschaftlich interessant wird sie, wenn wir das Gebäude über seinen Lebenszyklus betrachten. Dann fließen neben den Investitionskosten auch Qualität, Dauerhaftigkeit, Bauzeit, Betriebskosten und die CO₂-Speicherung des eingesetzten Holzes in die Betrachtung ein. Genau diese Lebenszyklusbetrachtung ist für viele Bestandshalter inzwischen ein wichtiger Maßstab. Hinzu kommt, dass serielle Sanierung in der Regel über die Fassade hinausgeht. Wir betrachten gleichzeitig die Wärmeversorgung und stellen Gebäude beispielsweise auf Wärmepumpen in Verbindung mit Photovoltaik um. Dadurch lassen sich die Betriebskosten deutlich reduzieren. Zusammen mit einer guten Planung und den vorhandenen Förderinstrumenten kann man bei Wohngebäuden in die Nähe einer Warmmietenneutralität kommen und zugleich langfristig wirtschaftlich sanieren.
Das heißt zugleich, dass serielle Sanierung kein festgelegtes System für jedes Gebäude sein kann.
Marc Böhnke: Der Bestand gibt vor, welche Lösung funktioniert. Holzrahmenbau bietet für viele Gebäude sehr gute Voraussetzungen, insbesondere aufgrund der Vorfertigung und der vergleichsweise kurzen Montagezeiten. Gleichzeitig gibt es Bestandsgebäude, bei denen andere Systeme konstruktiv besser geeignet sind. Deshalb ist die genaue Untersuchung am Anfang so wichtig. Aus dem Gebäude heraus entwickelt sich die passende Sanierungsstrategie.
Matthias Mand: Genau dafür brauchen Entscheider früh eine verlässliche Datengrundlage. Bei einem einzelnen Gebäude kann man viele Fragen noch individuell lösen. Sobald ein Eigentümer Hunderte
Gebäude betrachtet, braucht er eine Systematik, mit der er priorisieren kann: Welche Gebäude müssen zuerst angegangen werden, welche Maßnahmen sind erforderlich und welche Form der Sanierung kommt jeweils infrage? Erst dann kann aus einzelnen Projekten eine Portfoliostrategie entstehen.
Der Zeitfaktor spielt dabei eine erhebliche Rolle. Herr Böhnke, Sie sagen, wir müssten bei der Bestandssanierung schnell in die Skalierung kommen.
Marc Böhnke: Der Gebäudebestand verursacht einen erheblichen Teil der laufenden Emissionen, und der Zeitraum für deren Reduktion ist begrenzt. Deshalb bin ich ein großer Freund der Bestandssanierung. Das Gebäude steht bereits, die Emissionen seiner ursprünglichen Errichtung sind bereits entstanden. Jetzt können wir an seinem Energieverbrauch ansetzen und die weitere Nutzung klimafreundlicher gestalten. Vorgefertigte und serielle Lösungen helfen uns dabei, mehr Gebäude in kürzerer Zeit zu erreichen.
Gleichzeitig bietet die Vorfertigung eine gleichbleibende Qualität und reduziert die Arbeiten auf der Baustelle. Wenn wir die Klimaziele im Gebäudesektor erreichen wollen, brauchen wir genau solche skalierbaren Prozesse.
Mit „KfH. Systemische Sanierung“ startet die KOALITION für HOLZBAU im September eine eigene Interessenvertretung mit dem Ziel, serielle Sanierung als Systemlösung zu etablieren. Wo wollen Sie gemeinsam ansetzen?
Marc Böhnke: Wir müssen bei der Bestandssanierung in skalierbaren Lösungen denken. Viele Bestandshalter verfügen über Hunderte oder sogar Tausende Gebäude, gleichzeitig ist der Zeitraum, in dem wir die Emissionen des Gebäudebestands deutlich reduzieren müssen, begrenzt. Vorfertigung und serielle Prozesse können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Entscheidend ist für mich, Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus zu betrachten und für den jeweiligen Bestand die passende Lösung zu entwickeln.
Matthias Mand: Dafür braucht es zunächst eine verlässliche Grundlage. Eigentümer müssen wissen, welche Gebäude sie im Bestand haben, in welchem Zustand sie sind und welche Maßnahmen sich dort sinnvoll umsetzen lassen. Wir setzen mit der Grundlagenermittlung sehr früh an und schaffen Transparenz für die weiteren Entscheidungen. Bei KfH. Systemische Sanierung können anschließend Bestandsanalyse, Planung, Vorfertigung und Umsetzung zusammengeführt werden.
Der Begriff „systemisch“ ist also durchaus wörtlich zu verstehen?
Matthias Mand: Wenn Bestandshalter früh erkennen, welche Gebäude für welche Form der Sanierung geeignet sind, können sie Investitionen gezielter planen und ganze Portfolios systematisch entwickeln. Dafür müssen alle Beteiligten auf einer gemeinsamen Wissensgrundlage arbeiten. Marc Böhnke: Daraus entsteht die notwendige Skalierung. Wir brauchen übertragbare Prozesse, mit denen sich größere Bestände schneller sanieren lassen. Holz und vorgefertigte Holzrahmenelemente können dabei eine wichtige Rolle spielen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Bestandskenntnis, Planung, geeigneter Konstruktion und einer klimaneutralen Energieversorgung. Genau diesen ganzheitlichen Ansatz wollen wir gemeinsam weiterentwickeln.
Die Seminare der HOLZBAU AKADEMIE

Online-Seminar: Gebäuderessourcenpass – Die digitale Dokumentation kommt in Förderung und Normung
Die Dozenten:
Dr. Patrick Bergmann und Björn Pelzer
Der Termin:
15. September 2026 14:00 - 16:00 Uhr
Der Gebäuderessourcenpass dokumentiert alle in einem Bauwerk verbauten Materialien, Bauteile und Produkte und macht so das „Materialvermögen“ eines Gebäudes sichtbar. Er wird zunehmend zu einem zentralen Baustein der zirkulären Bauwirtschaft in Deutschland: Mehrere Bundesländer – etwa Nordrhein-Westfalen – kooperieren bereits mit Anbietern wie Madaster, um den digitalen Gebäuderessourcenpass im Rahmen der Wohnraum- und Städtebauförderung zu erproben. Auch die DGNB hat den Ressourcenpass in ihr Zertifizierungssystem für Neubauten integriert.
Dieses Seminar vermittelt Ihnen praxisnahes Wissen zur Erstellung und Nutzung von Gebäuderessourcenpässen am Beispiel des Anwendungstools Madaster. Neben den regulatorischen und normativen Grundlagen wird gezeigt, wie ein Gebäuderessourcenpass aufgebaut wird, welche Daten benötigt werden und wie sich die Ergebnisse für Planung, Zertifizierung und Genehmigung nutzen lassen.
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Online-Seminar: Neuheiten beim Vergaberecht – Anwendung beim modernen Holzbau
Die Dozentin:
Dr. Rut Herten-Koch
Der Termin:
30. September 2026 14:00 - 16:00 Uhr
Das Seminar richtet sich vorrangig an öffentliche Auftraggeberinnen und Auftraggeber, die von ihnen mit der Vorbereitung von öffentlichen Vergabeverfahren nach der VOB/A beauftragten Architektinnen sowie Architekten und Ingenieurinnen und Ingenieure sowie ggf. vergaberechtlich gebundene Fördermittelempfängerinnen und Fördermittelempfänger. Aber auch für Holzbauunternehmen als Bieterinnen und Bieter in öffentlichen Vergabeverfahren ist es von Vorteil, ein Verständnis für die Möglichkeiten und Grenzen der nach den Regelungen des GWB und der VOB/A vergebenen Bauaufträge zu entwickeln.
Zum 01.07.2026 ist das Vergabebeschleunigungsgesetz in Kraft getreten. Gleichzeitig gibt es auf Landesebene diverse Bestrebungen zur Erleichterung von Unterschwellenvergaben. Welche Neuigkeiten und welche Handlungsempfehlungen damit jeweils verbunden sind, erfahren Sie aus erster Hand im Seminar, inklusive dem politischen Blick hinter die Kulissen. Auf EU-Ebene schließlich laufen die Vorbereitungen zur Anpassung der Vergaberichtlinien aus dem Jahr 2014. Die Vorlage der neuen EU-Richtlinien-Entwürfe wird für das dritte Quartal 2026 erwartet. Auch diese Entwicklungen werten wir für Sie aus.
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Online-Seminar: Potenziale der CO₂-Speicherleistungen im Gebäudebereich – für Bauherr:innen, Projektentwickler:innen und Bauunternehmen
Der Dozent:
Robert Böker
Der Termin:
14. Oktober 2026 10:00 - 12:00 Uhr
Mit der Carbon Removal and Carbon Farming Regulation (CRCF) hat die Europäische Union einen freiwilligen Zertifizierungsrahmen für CO2-Entnahmen und die Kohlenstoffspeicherung in langlebigen Produkten geschaffen. Für Gebäude wird derzeit eine eigene EU-Methodik entwickelt. Damit entsteht die Perspektive, biogene Kohlenstoffspeicher in Holzbauprodukten nach einheitlichen Regeln zu quantifizieren, unabhängig prüfen zu lassen und künftig als zertifizierte Einheiten auszuweisen. Solche Einheiten könnten langfristig zusätzliche Vermarktungs- und Finanzierungsmöglichkeiten für klimawirksame Bauvorhaben eröffnen. Das Seminar setzt bei diesem möglichen Nutzen an: Was könnten künftige CO2-Zertifikate für Bauherrschaften, Projektentwickler, Planende und Holzbauunternehmen bedeuten – und welche Grundlagen sollten Projekte schon heute schaffen? Die Teilnehmenden erhalten einen kompakten Überblick über den regulatorischen Stand, die Grundprinzipien der Bilanzierung biogener Kohlenstoffspeicher sowie die Anforderungen an Daten, Nachweise, Monitoring und Dokumentation. Anhand der in Baden-Württemberg entwickelten CarbonLÄND-Methodologie wird beispielhaft gezeigt, wie eine gebäudebezogene Bilanzierung praktisch aufgebaut werden kann. Das Seminar richtet sich an Fach- und Führungskräfte, die Chancen und Anforderungen künftiger CO2-Zertifikate im Gebäudesektor frühzeitig einordnen und ihre Projekte darauf vorbereiten möchten.
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Online-Seminar: Holzarchitektur der Gegenwart
Die Dozentin:
Prof. Dr. Maren Kohaus
Der Termin:
30. Oktober 2026 14:00 - 16:00 Uhr
Naturbelassene Holzfassaden verändern ihre Farbigkeit und Oberflächenstruktur, abhängig von der Intensität der klimatischen Einflüsse, die wiederum von der Ausrichtung der Fassade, ihrer Detailausbildung sowie Art der Verlegung und Materialität beeinflusst werden. Hierbei ist die „silbergraue Verfärbung“ jedoch nur einer von vielen Verwitterungseffekten, die an naturbelassenen Holzfassaden zu beobachten sind. Im Laufe der Zeit verändert sich das äußere, architektonische Erscheinungsbild von Gebäuden mit naturbelassenen Holzbekleidungen, was zur Frage führt, inwieweit wir als Planerinnen und Paner nicht die unterschiedlichen Verwitterungsphänomene bei naturbelassenen Holzfassaden als Chance begreifen und mit dem Wissen über ihre Entstehung als gestaltprägende Elemente bereits im Entwurfsprozess bewusst berücksichtigen können. Im Rahmen des Seminars wird zunächst einleitend auf die Grundlagen des Verwitterungsprozesses von naturbelassenen Holzbekleidungen eingegangen und die daraus resultierenden Verwitterungsphänomene aufgezeigt. Mithilfe geeigneter Projektbeispiele und durch vergleichende Darstellungen wird die Veränderung des architektonischen Ausdrucks aufgezeigt und das darin liegende Potenzial für die Architektur zur Diskussion gestellt.
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Online-Seminar: Serielle Sanierung mit Holzbau – Holzfassaden, digitale Planung und Modernisierung im Bestand
Die Dozenten:
Marc Böhnke und Ariane Bischoff
Der Termin:
4. November 2026 10:00 - 12:00 Uhr
Das Seminar zeigt, wie Bestandsgebäude mit vorgefertigten Fassaden- und Dachelementen in Holzbauweise schneller, planbarer und nachhaltiger modernisiert werden können. Im Mittelpunkt stehen nicht nur Bauteile, sondern die gesamte Projektlogik: Eignungsprüfung, digitale Bestandsaufnahme, Baukastenprinzip, Holzfassade, Dach, TGA, Aufstockung, Montage im bewohnten Zustand sowie Wirtschaftlichkeit und Lebenszyklus.
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Online-Seminar: Baugesetzbuch-Novelle: Möglichkeiten und Handlungsempfehlungen – Einwertung, Anwendung und Potenziale der BauGB-Novelle (Gesetzesentwurf)
Der Dozent:
Prof. Dr. Mathias Hellriegel
Der Termin:
12. November 2026 10:00 - 12:00 Uhr
Ende September 2026 findet die Anhörung im Deutschen Bundestag zu neuen Baugesetzbuch-Novelle (BauGB-Novelle) statt, gefolgt von der 2. und 3. Lesung. Stand jetzt (vor der Sommerpause), kann das Gesetzt zum 1. November 2026 in Kraft treten. Verwaltungsrechtler Prof. Dr. Mathias Hellriegel ist in die Anhörung als Sachverständiger eingebunden und kann so aus erster Hand über die Wirkung berichten und die baurechtlichen Neuerungen gut beurteilen.
Der Gesetzentwurf zur Modernisierung des Städtebau- und Raumordnungsrechts enthält zahlreiche Neuerungen und soll ein „Konjunkturprogramm für die Baubranche“ enthalten. Welche Planungs- und Genehmigungsverfahren damit das Potenzial zur Vereinfachung haben, welche neuen Regulatorien auf die Branche zukommen, dass wird in dem Online-Seminar dargestellt. Kurz, präzise, einprägend und anwenderfreundlich.
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